Musikfestival mit Feuerwerk und begeisterter Crowd bei Open-Air-Event

Le Mans bis Formel E: Wo Rennsport auf Musik trifft

▶ 3:17 Lesezeit

Wer an Le Mans denkt, denkt an Rennwagen. An durchgefahrene Nächte, an Benzindämpfe und quietschende Reifen. Woran die meisten nicht denken: an Bühnen, Bands und Bässe. Dabei hat sich das berühmteste Langstreckenrennen der Welt längst zu einem der größten Musik-Events Europas entwickelt – und es ist nicht das einzige.

DROP

  • Le Mans: 24 Stunden Rennen mit DJ-Stages und Live-Acts neben der Strecke
  • Nürburgring 24h: Rock-Bühnen im Fahrerlager, Camping mit Konzert-Charakter
  • Formel E: Electronic Music als fester Teil des Renn-Erlebnisses
  • Goodwood: Retro-Autos treffen Live-Bands im englischen Landhaus-Setting

Le Mans: 24 Stunden Rennen, 24 Stunden Party

 

Jeden Juni verwandelt sich die französische Stadt Le Mans für eine Woche in etwas, das am ehesten an ein Glastonbury mit Rennstrecke erinnert. Über 300.000 Zuschauer kommen zum 24-Stunden-Rennen – und ja, die meisten interessieren sich für die Autos. Aber spätestens ab Freitagabend übernimmt die Musik.

Das Le Mans Village direkt neben dem Circuit de la Sarthe bietet mehrere Bühnen mit Live-Musik, DJs und Tribute-Bands. Die Atmosphäre ist einzigartig: Während auf der Strecke Hypercars mit über 340 km/h über die Mulsanne-Gerade donnern, tanzen ein paar hundert Meter weiter Tausende zu French House und Classic Rock.

Die Camping-Bereiche rund um die Strecke haben ihre eigene Musikkultur entwickelt. Mobile Soundsysteme, improvisierte DJ-Sets, Karaoke um 3 Uhr morgens – wer Le Mans einmal erlebt hat, weiß: Das Rennen ist nur die halbe Geschichte. Teams wie Proton Competition, die seit 2012 ununterbrochen in der WEC starten, kennen diese Doppelnatur bestens: tagsüber Hochleistungssport, nachts Festival.

Pexels / Marco Qu

4
Events
250.000+
Besucher (Le Mans)
24h
Non-Stop

Nürburgring 24h: Rock’n’Roll in der Eifel

 

Das ADAC 24h-Rennen am Nürburgring ist das deutsche Pendant – und in Sachen Partykultur womöglich noch intensiver. Über 200.000 Zuschauer campieren rund um die legendäre Nordschleife, und an strategischen Stellen entlang der 25 Kilometer langen Strecke stehen Bühnen und Soundanlagen.

Besonders berüchtigt: die Brünnchen-Kurve. Was tagsüber eine Zuschauertribüne mit Grillzone ist, verwandelt sich nachts in einen Open-Air-Club mit Techno und Schlager – manchmal direkt nebeneinander. Die Mischung aus Motorenlärm, Rammstein aus der Bluetooth-Box und dem Geruch von Bratwurst und Rennbenzin ist so deutsch, wie es nur geht.

2024 wurde das offizielle Rahmenprogramm am Ring deutlich aufgerüstet. Ein Konzert-Line-up, das bei manchem Stadtfestival Neid auslösen würde, lockte auch Besucher an, die mit Motorsport sonst wenig anfangen können.

Formel E: Electronic Music trifft Elektro-Rennsport

 

Die Formel E hat von Anfang an bewusst auf Musik gesetzt. Das Konzept: Rennen in Innenstädten, dazu ein Allianz E-Village mit DJs, Food-Trucks und Lifestyle-Marken. Die Zielgruppe ist jünger, urbaner, festivalaffiner als beim klassischen Motorsport.

Bei den Berlin-Rennen am Tempelhofer Feld waren in den vergangenen Jahren Acts wie Paul Kalkbrenner und Robin Schulz Teil des Rahmenprogramms. Der Berliner Techno-Vibe passt perfekt zur Elektro-Formel: leise Motoren, laute Bässe.

Die Formel E ist damit vielleicht das erste Motorsport-Format, das von Nicht-Motorsport-Fans besucht wird – wegen der Musik, nicht trotz ihr.

Goodwood Festival of Speed: Retro-Autos, Live-Bands

 

Das Goodwood Festival of Speed in Südengland ist streng genommen kein Rennen, sondern ein Oldtimer-Festival mit Hillclimb. Aber in Sachen Gesamterlebnis setzt es Maßstäbe: Neben historischen Rennwagen und Supersportwagen gibt es Live-Konzerte, eine Rolling Stones-Tribute-Band neben einem Ferrari 250 GTO – und Champagner dazu.

Musikalisch bewegt sich Goodwood im Bereich Classic Rock und Indie. 2024 spielten unter anderem The Vaccines auf der Forest Stage. Der Mix aus britischer Autokultur und Festival-Stimmung zieht jährlich über 200.000 Besucher an.

„Wo Motoren brüllen und Bässe wummern, entsteht eine Energie die kein reines Konzert und kein reines Rennen allein erzeugen kann.“

Warum das funktioniert

 

Die Verschmelzung von Motorsport und Musik ist kein Zufall. Beide teilen zentrale Emotionen: Adrenalin, Gemeinschaftsgefühl, das Erleben von etwas Größerem als dem Alltag. Ein Rennwagen, der nachts mit leuchtenden Scheinwerfern durch die Dunkelheit fährt, hat etwas von einer Lightshow. Das Dröhnen eines GT3-Motors hat einen eigenen Beat.

Für die Veranstalter ist es auch eine wirtschaftliche Rechnung. Wer ein Festival-Erlebnis bietet, hält die Zuschauer länger vor Ort – und erreicht Zielgruppen, die sonst nie eine Rennstrecke betreten würden. Die Formel E macht das am konsequentesten, aber auch klassische Events wie Le Mans und der Nürburgring haben verstanden, dass Motorsport im 21. Jahrhundert ein Gesamterlebnis sein muss.

Für Musikfans: Lohnt sich das?

 

Absolut – wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Le Mans ist kein Primavera Sound, und das Nürburgring 24h-Rennen ist kein Parookaville. Aber die Kombination aus Hochleistungssport, Camping-Kultur und Musik hat einen eigenen Reiz, den reine Musikfestivals nicht bieten können.

Empfehlung für Einsteiger: Das ADAC 24h-Rennen am Nürburgring (Ende Mai/Anfang Juni) ist am leichtesten zugänglich. Camping-Tickets sind erschwinglich, die Atmosphäre ist entspannt, und spätestens ab Samstagabend ist die Musik mindestens genauso laut wie die Motoren.

Q&A nach der Show

Klick auf eine Frage.

Welches Rennevent hat die beste Musik?
Formel E hat Musik am konsequentesten integriert – Electronic Acts sind fester Teil des Rahmenprogramms. Le Mans bietet die größte Vielfalt mit DJ-Stages die 24 Stunden durchlaufen.
Lohnt sich ein Rennevent nur für die Musik?
Für die Musik allein wahrscheinlich nicht. Aber die Kombination aus Rennatmosphäre, Live-Musik und Festival-Feeling ist einzigartig und lohnt sich auf jeden Fall wenn du beides magst.
Welche Rennevents kann man auch als Familie besuchen?
Goodwood Festival of Speed ist am familienfreundlichsten: entspannte Atmosphäre, keine lauten Motoren (viele Elektro- und Oldtimer), Live-Musik und ein Gelände das sich anfühlt wie ein englischer Garten. Auch die Formel E mit ihrer E-Village ist gut für Familien geeignet.

Titelbild: Pexels



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