03 Apr. Deutschrap: Was Marteria über die Zukunft des Genres sagt
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15.000 Menschen am Strand von Warnemünde. Kein Ticket, kein Vorverkauf, nur ein Instagram-Post einen Tag vorher. Als Marteria im August 2025 sein Überraschungskonzert direkt am Leuchtturm spielte und dabei die dritte Folge seiner Kultalbum-Reihe ankündigte, wurde klar: Marten Laciny hat nichts verlernt. „Zum Glück in die Zukunft III“ ist mehr als ein Album. Es ist die Rückkehr einer Idee, die deutschen Rap verändert hat.
Von Rostock in die Zukunft: Wer Marteria ist
Marten Laciny, geboren am 4. Dezember 1982 in Rostock, hat eine Biografie die sich kein Drehbuchautor ausdenken würde. Als Kind spielte er elf Jahre lang Fußball bei Hansa Rostock und schaffte es bis in die U17-Nationalmannschaft unter Horst Hrubesch. Mit 16 gründete er die „Underdog Cru“ und begann zu rappen. Mit 17 wurde er in New York als Model entdeckt und lief für Hugo Boss und Diesel. Dann entschied er sich für die Musik.
Rostock ist dabei nicht einfach Herkunft – es ist Identität. Groß Klein, Lichtenhagen, Plattenbau, Ostsee. Marteria hat seine Heimatstadt nie verlassen, nie verleugnet, nie als Kulisse benutzt. Er trägt Rostock im Ehrenbuch der Hansestadt und ist Ehrenmitglied bei Hansa. Wenn er am Strand von Warnemünde ein Gratiskonzert gibt, ist das kein Marketing-Stunt. Das ist Marteria.
Die Trilogie: Von Gold zu Platin
„Zum Glück in die Zukunft“ erschien am 20. August 2010 und veränderte die Spielregeln. Deutschrap war damals Gangsta oder Conscious – Marteria machte Pop-Rap ohne sich dafür zu entschuldigen. Songs mit Jan Delay und Peter Fox, Produktionen die nach Sommer klangen, Texte die zwischen Leichtigkeit und Tiefe wechselten. Das Album stieg auf Platz 7 ein und wurde mit Gold ausgezeichnet.
Dann kam 2012 „Lila Wolken“ mit Yasha und Miss Platnum – Platz 1 in den deutschen Charts, der Soundtrack eines ganzen Sommers. Das Video hat über 100 Millionen YouTube-Views.
Teil II folgte am 31. Januar 2014 und war der kommerzielle Durchbruch: Platz 1 in den Album-Charts, Platin-Zertifizierung mit über 200.000 verkauften Einheiten. Singles wie „OMG!“ und „Kids (2 Finger an den Kopf)“ gingen Gold. Marteria war nicht mehr der Geheimtipp aus Rostock – er war einer der größten deutschen Künstler.
Dann wurde es still. Zwölf Jahre Pause zwischen dem zweiten und dritten Teil. In der Zwischenzeit veröffentlichte Marteria Alben unter seinem Alter Ego Marsimoto – eine Hommage an Quasimoto von Madlib – und tourte weiter durch Clubs und Festivals. Aber die ZGIDZ-Reihe ruhte. Keine Andeutung, kein Teaser, kein „kommt bald“. Einfach Stille.
In der deutschen Rap-Landschaft hat sich in diesen zwölf Jahren alles verändert. Capital Bra und Apache 207 haben die Streaming-Ära dominiert. Deutschrap wurde zum größten Genre im deutschen Markt. Cloud Rap kam und ging. Drill wurde importiert. Die Frage war nie ob Marteria noch relevant ist – sondern ob die Art von Rap die er macht noch einen Platz hat. ZGIDZ III ist seine Antwort.
ZGIDZ III: Was wir bisher wissen
11 Tracks, produziert von The Krauts, veröffentlicht über sein eigenes Label MARMUSIC unter exklusiver Lizenz von BMG Rights Management. Von den Tracks sind vier Titel via Apple Music bestätigt: „L.I.E.B.“, „Sad Holiday (Schwarzer Sand)“, „Babylonia“ und „MEINS!“.
Die drei vorab veröffentlichten Singles deuten die Richtung an: „Babylonia“ (erschienen am 5. September 2025) ist der atmosphärische Opener, „L.I.E.B.“ (17. Oktober 2025) der persönliche Track und „MEINS!“ (5. Dezember 2025) die Ansage. Marteria hat in Interviews das Album als „indirekt politisch und extrem persönlich“ beschrieben.
Sein Alter Ego Marsimoto hat er im Dezember 2024 offiziell beendet. ZGIDZ III ist damit nicht nur ein neues Album – es ist eine bewusste Entscheidung, unter dem eigenen Namen abzuschließen was vor 15 Jahren begonnen hat.
Was „indirekt politisch“ bei Marteria bedeutet, lässt sich an seiner Biografie ablesen: Ein Kind der Nachwendezeit aus Rostock-Lichtenhagen, aufgewachsen zwischen Plattenbau und Ostsee, der seinen Weg durch Fußball, Modeln und Rap gefunden hat. „Babylonia“ greift Themen auf die größer sind als persönliche Befindlichkeiten – aber Marteria predigt nie. Er erzählt. Das hat ihn 2010 von der Deutschrap-Masse unterschieden, und das wird auch 2026 funktionieren.
Warnemünde: 15.000 für ein Geheimkonzert
Am 28. August 2025 spielte Marteria ein kostenloses Überraschungskonzert am Strand von Warnemünde, direkt am Leuchtturm. Angekündigt erst einen Tag vorher per Instagram, mit einem Video in dem er handgeschriebene Flyer durch Rostock verteilte. Er rechnete mit „vielleicht 50 Leuten“. Es kamen zwischen 15.000 und 20.000 Fans.
Das Konzert war der Moment, an dem ZGIDZ III real wurde. Marteria spielte zum 15-jährigen Jubiläum des ersten Albums, kündigte die neue Platte an und performte „Babylonia“ zum ersten Mal live. Die Bilder gingen viral. Rostock, Strand, Sonnenuntergang, 15.000 Menschen – das ist der Stoff aus dem Musikgeschichte gemacht wird.
Die Aktion passt zu einem Künstler, der Marketing auf seine eigene Weise macht. Keine TikTok-Challenge, keine Influencer-Kooperation, keine Algorithmus-Optimierung. Stattdessen: handgeschriebene Flyer, ein Strand und die Hoffnung auf 50 Leute. Dass daraus 15.000 wurden, sagt mehr über die Bindung zwischen Marteria und seinen Fans als jede Streaming-Zahl. In einer Zeit, in der Releases durchgeplant sind wie Produkteinführungen, ist das eine erfrischend analoge Geste. Und sie funktioniert: „Babylonia“ erschien eine Woche später und wurde zum Sommerhit.
Tour und Festivals 2026
Die „Zum Glück in die Zukunft Tour 2026“ umfasst mindestens 13 Konzerte, Start am 14. August 2026 im IGA Park Rostock. Die Highlights:
Rock am Ring (5.-7. Juni 2026) – das Festival ist mit 90.000 Tickets ausverkauft, Rekord. Marteria steht neben Iron Maiden, Linkin Park und Architects im Lineup.
Max-Schmeling-Halle Berlin (16. Oktober 2026) – die größte Halle der Tour. Festhalle Frankfurt (30. Oktober 2026) – weitere Großarenen in Hamburg, München, Köln und Leipzig sind bestätigt. Tickets ab 54,90 Euro über Eventim, Vorverkauf seit September 2025.
Was die Tour besonders macht: Es ist die erste Tour unter dem ZGIDZ-Banner seit über einem Jahrzehnt. Die Setlist wird voraussichtlich Tracks aus allen drei Alben umfassen – von „Verstrahlt“ über „OMG!“ bis zu den neuen Singles. Wer die Entwicklung eines Künstlers über 15 Jahre in einem Abend erleben will, bekommt hier die Chance.
Die Venue-Wahl zeigt Ambitionen: Max-Schmeling-Halle Berlin fasst 12.000 Menschen, die Festhalle Frankfurt 13.500. Das sind keine Club-Shows mehr. Marteria spielt in der Liga der Großen – und das Warnemünde-Konzert hat bewiesen, dass die Nachfrage da ist. 15.000 für ein unangekündigtes Gratiskonzert sprechen eine deutliche Sprache.
🎧 Von Gold zu Platin: Die ZGIDZ-Playlist
Die Tracks zur Trilogie.
▶ Babylonia (ZGIDZ III, 2025)
▶ MEINS! (ZGIDZ III, 2025)
▶ L.I.E.B. (ZGIDZ III, 2025)
▶ Lila Wolken (feat. Yasha & Miss Platnum, 2012)
▶ OMG! (ZGIDZ II, 2014)
▶ Kids (2 Finger an den Kopf) (ZGIDZ II, 2014)
Q&A nach der Show
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Was ist „Zum Glück in die Zukunft“?
Wie viele Tracks hat ZGIDZ III?
Wann ist die Tour?
Hat Marteria Marsimoto beendet?
Gibt es noch Tickets für Rock am Ring 2026?
Quelle Titelbild: Pexels / Bence Szemerey (px:7192878)