05 Mai Musikmarkt-Preview Q2 2026: Was die BVMI-Jahreszahlen 2025 über Gen Z und das deutsche Musikgeschäft verraten
5:07 Lesezeit
Der Bundesverband Musikindustrie veröffentlicht keine Q1-Zahlen. Nur die Jahresbilanz im Februar/März und den Halbjahresreport im Juli. Wer wissen will, wie das deutsche Musikgeschäft 2026 läuft, muss bis Juli warten – oder die 2025er Zahlen ernst nehmen. Hier ist, was sie sagen und was sie für Q2 signalisieren.
30.04.2026
Warum Q1-Zahlen nicht existieren und was der Juli bringt
Der BVMI publiziert den Jahresreport Ende Februar oder Anfang März, den Halbjahresbericht im Juli. Quartalsweise Zahlen sind nicht vorgesehen – das ist redaktionelle Stille zwischen März und Juli. Wer den Puls des Marktes zwischendrin lesen will, muss Streaming-Plattformen-Reports (Spotify Wrapped, IFPI Global Music Report), Handel-Signale (Record Store Day-Umsätze) und Ticket-Tracking (Festival-Trends) kombinieren.
Ende April 2026 haben wir also: die offiziellen 2025er Zahlen seit rund zwei Monaten und den Blick auf Q1 2026 ausschließlich über indirekte Indikatoren. Der Juli-Report wird die ersten harten Aussagen liefern, ob das Streaming-Wachstum noch weiter einbricht und ob Vinyl den 2025er Trend fortsetzt.
Was die 2025er Zahlen wirklich sagen
2,42 Mrd. €
Umsatz der deutschen Musikindustrie 2025 (BVMI-Jahresreport)
Das ist Wachstum, aber verlangsamtes Wachstum. 2023 wuchs der deutsche Musikmarkt noch um 6,3 Prozent, 2024 um rund 5 Prozent, 2025 nur noch um 2,3 Prozent. Die Kurve flacht ab. Haupttreiber ist weiter Streaming, aber auch Streaming selbst fährt die Bremse: 4,1 Prozent Wachstum nach zweistelligen Zuwächsen in den Jahren zuvor.
Die eigentliche Geschichte: der physische Markt. CDs schrumpfen um 11,3 Prozent – ein deutlicher Einbruch. Vinyl legt um 2,8 Prozent zu und hält 44,2 Prozent Anteil am physischen Segment. In absoluten Zahlen heißt das: Vinyl ist in Deutschland fast so stark wie CD. Das war vor fünf Jahren undenkbar. Vinyl ist 2025 nicht mehr das Retro-Produkt, sondern ein stabiler Umsatztreiber.
Gen Z und die Vinyl-Mathematik
Das Interessante passiert unter der Oberfläche. Laut IFPI Global Music Report 2026 ist der US-Vinyl-Umsatz auf über eine Milliarde Dollar gestiegen – ein Wachstum von 13,7 Prozent. Treiber: Gen Z. 36 Prozent der Vinyl-Käufer entdecken Musik zuerst auf Spotify, bevor sie die physische Platte kaufen. Das ist ein Verhalten, das Vinyl nicht gegen Streaming positioniert – sondern neben Streaming.
„Ein Album auf Spotify braucht Millionen von Streams, um die Marge von 500 Vinyl-Verkäufen zu erreichen. Das ist keine Nostalgie – das ist Ökonomie.“
– Beobachtung aus der deutschen Musikwirtschaft 2026
Für Q2 2026 heißt das konkret: der Vinyl-Trend dürfte sich fortsetzen. Der Record Store Day im April 2026 ist typischerweise einer der stärksten Umsatztage des Jahres und 2026 wurden laut Store-Berichten über 350 exklusive Pressungen angeboten. Wer als Künstler oder Label auf den Vinyl-Zug aufgesprungen ist, macht in Q2 das Grundgeschäft für die zweite Jahreshälfte.
CD dagegen ist in der Abwärtsspirale. Minus 11,3 Prozent in 2025 und die Kurve wird sich 2026 nicht drehen. Für Labels heißt das: CDs bleiben als Bundle für Fans und Sammler relevant, aber nicht mehr als tragende Säule im Cashflow.
Was Publisher aus der Markt-Dynamik lesen
Aus Publisher-Sicht – dem Blick, den wir bei InspiredByBeatz und den anderen EVM-Magazinen einnehmen – ist die Zahl hinter der Zahl die spannende. Streaming dominiert den Musik-Konsum, aber nicht die Kaufintention. Die Leute, die Vinyl kaufen, sind zahlungsbereit. Die Leute, die nur streamen, monetarisieren sich für Labels und Künstler nur über Konzerte, Merchandise und Kollaborationen. Das erklärt, warum Festivals bei gleichbleibendem Ticket-Volumen Preise auf über 400 Euro hieven können – die zahlungsbereite Kohorte ist da.
Für Q2 und H1 2026 bedeutet das in der Prognose: Streaming wird weiter flach wachsen, Vinyl wird stabil bleiben, CDs werden weiter schrumpfen und die eigentliche Wertschöpfung in der Musikwirtschaft verschiebt sich von Aufnahmen zu Live-Events und Direct-to-Fan-Ökonomie. Der Juli-Report wird zeigen, ob diese These hält. Bis dahin: die 2025er Zahlen sind der beste Blick auf 2026, den wir haben.
Wer den Gen-Z-Vinyl-Hebel tiefer lesen will, findet in unserer Analyse warum Gen Z das Format rettet, das ihre Eltern aufgegeben haben den kulturellen Unterbau zu den Zahlen.
Q&A nach der Show
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Warum gibt es keine BVMI-Q1-Zahlen?
Bedeutet das Streaming-Wachstum unter 5 Prozent, dass der Markt kippt?
Warum wächst Vinyl, während CD schrumpft?
Was kann ich als Fan aus diesen Zahlen mitnehmen?
CEO Evernine Media GmbH, Herausgeber ››
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Quelle Titelbild: Pexels / Francesco Paggiaro