26 Juli Ex-Berghain-DJ greift KitKat, Berghain und Kink an
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Ein ehemaliger Berghain-Act hat schwere Vorwürfe gegen KitKat, Berghain und Teile der Kink-Szene öffentlich gemacht. Die Debatte läuft schnell und laut. Eine brauchbare Einordnung trennt Behauptung, Beleg und institutionelle Verantwortung, bevor die Szene in Lager zerfällt.
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- ▸ DJ Kaos JollyJams (Dennis Kaun) attackiert in Instagram-Videos auf @dj_kaos_jollyjams_unofficial_ KitKat als „Bretterbude“, Kink-Nächte als „pseudopervers“ und Swinger-Sex-Kultur in Clubs als absurd akzeptiert.
- ▸ Gegen Berghain wirft er Mitbetreiber Michael Teufele vor, nur noch Einnahmen zu zählen. Parallel behauptet er Todesfälle am Hintereingang – öffentliche Beweise und Club-Stellungnahmen lagen zum Redaktionsschluss nicht vor.
- ▸ Clubs wie Berghain und KitKat steuern Zugang, Gagen und informelle Karrierepfade. Consent braucht ansprechbare Teams, greifbare Sanktionen und Meldewege – genau die Ebene, die pauschale Ablehnung der Kink-Szene ausblendet.
- ▸ Die mediale Kette stützt sich primär auf die Clips und die FAZE-Zusammenfassung vom 26. Juli 2026 unter dem Titel „Wirre Vorwürfe“. Brauchbar bleibt die Arbeit, die Allegation, Gegenrede und institutionelle Lücken nebeneinander sichtbar macht.
26. Juli 2026 · News-Einordnung
Ein ehemaliger Berghain-Act hat schwere Vorwürfe gegen KitKat, Berghain und Teile der Kink-Szene öffentlich gemacht. Die Debatte läuft schnell und laut. Eine brauchbare Einordnung trennt Behauptung, Beleg und institutionelle Verantwortung, bevor die Szene in Lager zerfällt.
Was öffentlich geäußert wurde und was nicht
Öffentlich steht im Kern eine Serie von Instagram-Videos des Berliner DJs und Produzenten DJ Kaos JollyJams (bürgerlich Dennis Kaun) auf dem Account @dj_kaos_jollyjams_unofficial_. Laut dem FAZE-Bericht von Michael Scharsig vom 26. Juli 2026 greift Kaos dort Club-Strukturen, die Kink-Szene und den Berliner Nightlife-Lifestyle frontal an. Kaun spielte nach eigenen Angaben in einem älteren Freunde-von-Freunden-Porträt über zwei Jahre regelmäßig in der Panorama Bar im Berghain.
Der genaue Wortlaut entscheidet. FAZE zitiert Kaos unter anderem so: Die Szene sei „verrückt verblödet“. Und: „Dass diese Swinger-Sex-Kultur mit Pissen und Anscheißen akzeptiert wird in der Clubkultur und vor allem auch bei etablierten DJs ist schon sehr absurd.“ Das KitKat nennt er „Bretterbude“ und schäbig; die Kink-Nächte dort „bizarr“ und „pseudopervers“. In einem weiteren Clip, den FAZE wiedergibt: „In den Clubräumen wird rumgefickt, Leute stecken sich mit Krankheiten an.“ Und weiter: Clubs unterstützten die Szene und die DJs nicht mehr, das sei „nur noch so ein Ausleben vom perversen crazy Deutschland“.
Gegen Berghain wird konkreter. FAZE zufolge wirft Kaos dem Mitbetreiber Michael Teufele vor, er zähle nur noch die Einnahmen und sei kaum noch im Club zu sehen. In einem anderen Beitrag eskaliert die Behauptung: „Es gibt Leute, die da sterben und am Hintereingang rausgeschleppt werden, damit das keiner mitbekommt.“ Das ungarische Musikportal Onemusic fasste denselben Tag zusammen und betonte: Die schweren Aussagen stützen sich auf die Videos des DJs selbst. Öffentlich zugängliche Beweise oder eine unabhängige Bestätigung lagen zum Redaktionsschluss nicht vor.
Noch unklar bleibt, wie ernst oder satirisch die Serie gemeint ist. FAZE verweist auf den Ton der Clips, auf Kommentare der Follower und darauf, dass Kaos zugleich den CSD bewirbt, während sein Profiltext nur „heterosexual ladies loving“ enthält. Redaktionen, die „hat angegriffen“ schreiben, müssen mitliefern, was genau angegriffen wurde: eine Praxis, eine Person, ein Haus oder eine Szene-Erzählung.
Ebenso relevant ist das, was nicht vorliegt. Öffentliche Stellungnahmen von Berghain und KitKat zu den Videos von DJ Kaos JollyJams waren zum Redaktionsschluss nicht greifbar. Ohne Gegenrede, ohne internen Untersuchungsstand und ohne juristisch belastbare Dokumente ist der öffentliche Stand eine Allegation-Lage. Das ist kein Freispruch und kein Schuldspruch. Es ist der Zustand, in dem vorsichtige Sprache Pflicht ist.
Clubs als Macht- und Schutzräume zugleich
Clubs wie Berghain und KitKat sind mehr als Locations. Sie steuern Zugang, Sichtbarkeit, Gagen-Hierarchien, Residencies und informelle Karrierepfade. Wer drinnen spielt, genießt Schutz durch Status. Wer draußen bleibt, erlebt denselben Schutz oft als Ausschluss. Diese Doppelstruktur erklärt, warum Vorwürfe gegen Häuser so schnell zu Identitätskämpfen werden.
Macht in der Clubnacht sitzt nicht nur bei der Tür. Sie sitzt bei Bookern, Residents, Crews, Security, PR und bei den informellen Netzwerken, die darüber entscheiden, wessen Version einer Nacht gehört wird. Schutzräume entstehen dort, wo Regeln, Vertrauen und geteilte Codes funktionieren. Dieselben Codes können Kritik dämpfen, wenn Loyalität wichtiger wirkt als Aufklärung.
Für die Kink-Szene gilt das besonders scharf. Räume, die Sexualität, Rollen und Intensität explizit verhandeln, brauchen klare Grenzen und verlässliche Intervention. Kaos formuliert laut FAZE vor allem eine pauschale Ablehnung von Swinger- und Kink-Praxis in Clubs. Er benennt in den zitierten Clips keine konkreten Consent-Protokolle, Awareness-Teams oder dokumentierten Einzelfälle mit Datum und Ablauf. Pauschale Verurteilung „der Kink-Szene“ ersetzt keine Prüfung einzelner Häuser und Abläufe.
Consent, Tür und interne Konfliktwege
Consent ist in Clubs ein Betriebssystem. Es geht um erkennbare Regeln, ansprechbare Personen, greifbare Sanktionen und Wege, Konflikte zu melden, ohne dass Betroffene den Raum und die Karriere verlieren. Die Tür ist dabei oft der sichtbarste Kontrollpunkt. Sie filtert, priorisiert und kann schützen. Sie kann auch Willkür und Status privilegieren.
Interne Konfliktwege entscheiden, ob Vorwürfe im System landen oder auf Social Media eskalieren. Wer keine dokumentierten, erreichbaren und glaubwürdigen Kanäle anbietet, exportiert Konflikte in die Öffentlichkeit. Das entlastet das Haus kurzfristig und belastet die Szene langfristig.
Öffentlich kommunizieren die Häuser unterschiedlich. Berghain betreibt auf der Club-Website eine Awareness-Seite mit Harm-Reduction-Hinweisen, der Regel „only yes means yes“ und der Kontaktadresse support@berghain.de für nachträgliche Meldungen. KitKat formuliert in den Party-Infos der eigenen Website unter anderem: Anfassen ohne Einverständnis des Gegenübers führe zu lebenslangem Hausverbot. Das Awareness-Kollektiv b-aware beschreibt in einem Statement zur Four-Play-Arbeit im KitKat, dass es auf dieser Veranstaltung Awareness leistet und vom Club fordert, auf allen Partys eigene Teams zu stellen und sich öffentlich mit Betroffenen zu solidarisieren. Das sind kommunizierte Prozesse und Lücken. Sie belegen weder die Behauptungen von Kaos noch widerlegen sie sie.
Wichtig bleibt die Trennung von Ebenen. Ein Fehlverhalten einzelner Gäste ist nicht identisch mit Club-Politik. Ein Versagen der Intervention ist nicht dasselbe wie systematische Vertuschung. Eine unsaubere Türpraxis ist nicht dasselbe wie eine bewusste Schutzkultur für Täter. Wer diese Ebenen vermischt, erzeugt Empörung ohne Analyse.
Mediale Dynamik: Allegation versus Gegenrede
Sobald ein Name wie Berghain fällt, skaliert die Geschichte über die Szene hinaus. Plattformen belohnen Zuspitzung. Screenshots zirkulieren ohne Kontext. Zweitberichte verdichten Primäraussagen zu greifbaren Schuldsätzen. Genau dort entsteht der Fehler, den dieser Fall nicht vertragen kann: ungeprüfte Vorwürfe als Fakten zu behandeln.
Die bisherige Kette ist kurz und dünn. Primär laufen die Clips auf dem genannten Instagram-Account. Am 26. Juli 2026 fasste FAZE die Serie unter dem Titel „Wirre Vorwürfe“ zusammen und bettete mehrere Posts des Accounts ein. Onemusic berichtete am selben Tag und stützte sich auf dieselben Videobehauptungen, ohne eigene Primärprüfung der schweren Todes- und Vertuschungsclaims. Ohne breitere unabhängige Zweitprüfung und ohne vollständige Transkripte der Originalvideos bleibt aus Debatte vorerst ein Echo.
Eine saubere mediale Linie benennt Allegation als Allegation, solange Gegenprüfung fehlt. Sie holt Primärquellen, fragt die genannten Institutionen und kennzeichnet Schweigen als Schweigen statt als Geständnis. Gegenrede muss Raum haben, ohne automatisch als Gaslighting abgetan zu werden. Gleichzeitig darf Gegenrede nicht als Beleg für Harmlosigkeit gelten. Machtasymmetrien in Clubs bedeuten, dass nicht alle Stimmen gleich riskant sprechen. Ehemalige Acts mit Publikum erreichen Reichweite. Betroffene ohne Status oft nicht. Die Einordnung muss diese Asymmetrie mitdenken, ohne den Wahrheitsgehalt einer Aussage vom Status abzuleiten.
Was Redaktionen und Szene sauber trennen müssen
Redaktionen brauchen vier getrennte Schubladen: belegte Fakten, behauptete Erlebnisse, institutionelle Verantwortung und mediale Überzeichnung. Vermischung dieser Ebenen produziert Skandaltext oder Schutztext. Beides ist für Leser nutzlos, die Clubs, Festivals und Nachtkultur ernst nehmen.
Die Szene selbst sollte nicht in Totalfreispruch und Totalvernichtung springen. Häuser können Schutzräume sein und trotzdem Fehler machen. Kink-Räume können progressive Consent-Kultur pflegen und trotzdem blinde Flecken haben. Kritik an Hierarchien ist legitim. Pauschale Brandmarkung ganzer Clubs oder Szenen ist keine Aufklärung.
Praktisch heißt das: Originalton sichern, Zweitquellen prüfen, Stellungnahmen protokollieren, Begriffe schärfen. „Übergriff“, „Vertuschung“, „System“ und „Einzelfall“ sind keine austauschbaren Labels. Wer sie inflationär setzt, entwertet sie für die Fälle, in denen sie passen. Öffentliche juristische Schritte, Hausverbote, interne Reviews oder Awareness-Maßnahmen als direkte Reaktion auf die Videos von DJ Kaos JollyJams waren zum Redaktionsschluss nicht dokumentiert.
Für den Leser folgt daraus eine einfache Haltung: die Vorwürfe ernst nehmen, die Beweislage offen halten und Macht in Club-Hierarchien als strukturelle Frage behandeln statt als Fan-Krieg. Belegt sind derzeit vor allem die öffentlichen Aussagen eines Ex-Berghain-Acts gegen KitKat, Berghain und Kink-Kultur sowie die mediale Erstaufbereitung durch FAZE. Unbelegt bleiben die schwersten Claims, darunter die Behauptung zu Todesfällen am Hintereingang. Brauchbar ist nur die Arbeit, die Allegation, Gegenrede und institutionelle Lücken nebeneinander sichtbar macht.
Q&A nach der Show
Bleiben die Videos von DJ Kaos JollyJams Satire oder ernst gemeinte Anklage?
Welche Awareness-Prozesse kommunizieren Berghain und KitKat öffentlich?
Warum gilt das Schweigen der Clubs noch als offener Stand?
Wie trennt man Gäste-Fehlverhalten von Club-Systemfragen?
Redaktion IBS Publishing ››
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Bildquelle: KI-generiert (Juli 2026)