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Bowie Shel Talmy Recordings: Der erste Track ist da

▶ 6:14 Lesezeit

Seit dem 15. Juli läuft ein Song, den vorher niemand hören konnte: „I Want Your Love“, aufgenommen 1965, als David Bowie noch Davie Jones hieß. Er ist die Vorabauskopplung eines Archivsets, das am 18. September erscheint. Neun weitere unveröffentlichte Aufnahmen aus denselben Sessions bleiben bis dahin unter Verschluss.

DROP

  • „I Want Your Love“ ist seit dem 15. Juli hörbar, als erste Auskopplung aus David Bowie: The Shel Talmy Recordings.
  • Das Set erscheint am 18. September 2026 via Parlophone. Zehn zuvor unveröffentlichte Tracks auf CD und digital, sechs davon auf Vinyl.
  • Die Aufnahmen entstanden 1965 mit Shel Talmy, dem Produzenten von „You Really Got Me“ und „My Generation“.
  • An den Sessions beteiligt: Jimmy Page als Studiogitarrist Jahre vor Led Zeppelin sowie Nicky Hopkins am Piano.
  • Die Pressung mit Alternativ-Cover ist auf exakt 1965 Exemplare limitiert und läuft über Record-Store-Day-Läden und HMV.

Der erste Track ist schon draußen

Archivankündigungen funktionieren normalerweise als Versprechen. Du liest ein Datum, du merkst dir einen Namen, du wartest. Hier liegt der Fall anders: Parlophone hat mit der Ankündigung gleich einen Track freigegeben. „I Want Your Love“ ist seit dem 15. Juli über die offiziellen Kanäle abrufbar, zwei Monate vor dem Release.

Rolling Stone beschreibt die Aufnahme als schlingernde R&B-Nummer mit fuzzigem Gitarrenlärm, deren Schlagzeug auf dem Upbeat sitzt und die in einer Gitarren-Apokalypse endet, wie man sie von The Who kennt. In Bowies Phrasierung hört das Magazin Anklänge an Van Morrison und Mick Jagger. Ob du das genauso hörst, kannst du seit dem 15. Juli selbst prüfen.

Für alles andere gilt weiterhin Geduld. Neun weitere unveröffentlichte Aufnahmen bleiben bis September unter Verschluss. Niemand außerhalb des Estates hat sie bisher am Stück gehört. Was jetzt schon geht, ist ein einzelner Song und die Frage, was er über den Rest verrät.

Diese Reihenfolge ist ungewöhnlich für ein Archivprojekt. Üblicherweise kommt zuerst die Ankündigung, dann monatelang Stille, dann die Platte. Hier bekommst du sofort ein Belegstück in die Hand. Damit hast du eine Grundlage für ein eigenes Urteil, zwei Monate bevor die Platte im Laden steht.

Warum auf dem Vinyl die Zahl 1965 steht

Die Alternativ-Cover-Pressung ist auf 1965 Exemplare limitiert. Die Auflage zitiert das Jahr, in dem die Bänder entstanden.

Das ist eine kleine Geste mit Nebenwirkung. Sie macht 1965 zur eigenständigen Werkphase mit eigenem Gewicht. Wer die Platte im Regal stehen hat, besitzt eine Jahreszahl. Über Record-Store-Day-Läden und HMV ist sie zu bekommen, dazu gibt es ein rotes Vinyl exklusiv im offiziellen Bowie-Store sowie die regulären Ausgaben auf CD, LP und digital.

Limitierungen sind im Vinylgeschäft ein Standardinstrument, meist mit runden Zahlen. Diese hier trägt eine Information. Sie nennt dir das Thema, bevor du die Rückseite gelesen hast.

Wer 1965 im Raum saß, entschied über Karrieren

Die interessanteste Frage an diesen Sessions ist, wie ein Achtzehnjähriger überhaupt hineinkam. Bowie, Jahrgang 1947, war 1965 ein Sänger mit ein paar erfolglosen Singles. Shel Talmy war zur selben Zeit der Mann, der „You Really Got Me“ produziert hatte und kurz darauf „My Generation“ aufnehmen würde.

Die Bandnamen dieser Monate lesen sich wie eine Suchbewegung: The Manish Boys, danach Davie Jones and The Lower Third. Beide Formationen hielten nicht lange. Beide hinterließen Aufnahmen, die im September zum Teil erstmals zu hören sein werden. Wer heute auf die Namen stößt, kennt sie fast ausschließlich wegen des Sängers, der damals der unbekannteste Beteiligte war.

Die Londoner Musikindustrie funktionierte damals über wenige Schaltstellen. Ein Produzent mit laufenden Hits hatte Studiozeit, Kontakte zu Labels sowie Zugriff auf die besten Sessionmusiker der Stadt. Deshalb sitzt auf diesen Aufnahmen Jimmy Page an der Gitarre, Jahre bevor er Led Zeppelin gründete. Deshalb spielt Nicky Hopkins Piano, der später für die Stones sowie die Beatles arbeitete. Beide gehörten zu Talmys Apparat und wurden dorthin gebucht, wo er sie brauchte. Bowie war einer von vielen, die er durch seine Tür ließ.

Genau das macht die Aufnahmen interessant. Sie zeigen einen jungen Sänger in einer Maschinerie, die auf Hits optimiert war. Die Hits blieben aus. Die Singles der Phase verkauften sich schlecht, das Label verlor das Interesse, der Sänger wechselte kurz darauf den Namen.

Talmy selbst sagte 2017, er habe geglaubt, der Junge werde es schaffen, sie seien beide dem Markt aber etwa sechs Jahre voraus gewesen. Gemeint war die Marktreife, nicht ein bestimmtes Album. Trotzdem bleibt die Spanne bemerkenswert: Bis zum ersten breiten Erfolg dauerte es ungefähr so lange.

Sechs Jahre bis Hunky Dory

Von diesen Sessions bis zu „Hunky Dory“ vergehen sechs Jahre. Sechs Jahre, in denen die Person im Studio sich Davie Jones nannte, dann David Bowie, dann eine Reihe von Figuren, die ihm bekannter wurden als sein eigener Name. Die Umbenennung fällt auf Ende September 1965, wenige Monate nach den Talmy-Aufnahmen.

Zwei Songs aus dieser Phase kennst du vielleicht in einer späteren Fassung. „You’ve Got A Habit Of Leaving“ und „Baby Loves That Way“ erschienen 1965 als Parlophone-Singles. Bowie nahm beide Jahrzehnte später mit seiner Glastonbury-Band neu auf, für das Album „TOY“. Aufgenommen wurde es 2000, veröffentlicht erst 2021, fünf Jahre nach seinem Tod. Der ältere Mann holte sich also die Songs des Achtzehnjährigen zurück, den kaum jemand gehört hatte.

Zwischen den beiden Fassungen liegt ein ganzes Berufsleben. Der Vergleich ist ungewöhnlich gut dokumentiert: Selten kann man denselben Menschen mit demselben Material im Abstand von 35 Jahren hören. Die frühen Singles sind seit Jahrzehnten verfügbar, „TOY“ ist es seit 2021. Ab September kommen die Alternativtakes dazwischen.

Dass ein Künstler ausgerechnet zu dem Material zurückkehrt, mit dem er gescheitert ist, sagt einiges. Es war offensichtlich nicht abgehakt.

Was im September dazukommt

Das Set bündelt Singles, alternative Takes und Demos der Sessions, 2026 gemastert und remastert von John Webber, sämtliche Aufnahmen produziert von Shel Talmy. Das Estate positioniert es als die bislang vollständigste Sammlung dieser Phase. Zur Gesamtzahl der Tracks kursieren in der Berichterstattung unterschiedliche Angaben, weshalb die verlässliche Zahl die der unveröffentlichten Aufnahmen bleibt: zehn auf CD und digital, sechs auf Vinyl.

Alternative Takes sind für Archivsets das eigentliche Material. Sie zeigen, was verworfen wurde. Bei einem Künstler, der später für seine Verwandlungen bekannt wurde, ist die Frage naheliegend, wie viele Versionen seiner selbst schon 1965 zur Auswahl standen. Eine Antwort darauf gibt es frühestens im September.

Bis dahin bleibt der Vorlauf: ein Preview, den du jetzt hören kannst, ein paar Singles derselben Monate, die seit Jahrzehnten verfügbar sind, dazu Talmys Produktionen für andere Bands aus demselben Jahr. Wer sich damit beschäftigt, geht im September nicht als Fremder in dieses Archiv.

Ob die Alternativ-Pressung bis dahin noch zu haben ist, hängt an den Läden. Eine Auflage von 1965 Exemplaren verteilt sich über Record-Store-Day-Outlets sowie HMV. Das reicht erfahrungsgemäß nicht weit. Wer die Zahl im Regal stehen haben will, sollte den Vorverkauf im Blick behalten.

So bereitest du dich vor

Die folgende Auswahl steckt den Radius ab: die frühen Singles unter dem Namen Davie Jones, eine Aufnahme der Manish Boys, an der Jimmy Page beteiligt war, dazu zwei Talmy-Produktionen aus demselben Jahr für die Bands, die seinen Ruf begründeten. Eine Randnotiz für Spotify-Suchende: Der Estate schreibt „Davie Jones“, die Streaming-Credits führen die Aufnahmen als „Davy Jones“. Beides meint dieselbe Person.

 

Q&A nach der Show

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Kann ich jetzt schon etwas hören?
Ja. „I Want Your Love“ ist seit dem 15. Juli 2026 als erste Auskopplung verfügbar, über davidbowie.com und die üblichen digitalen Anbieter. Die restlichen neun unveröffentlichten Aufnahmen folgen erst mit dem Release am 18. September.
Was steckt auf CD, digital und Vinyl?
Zehn zuvor unveröffentlichte Tracks auf CD und digital, sechs davon auch auf Vinyl. Dazu Singles, alternative Takes und Demos aus denselben Sessions. Gemastert 2026 von John Webber, alle Aufnahmen produziert von Shel Talmy.
Warum sind es genau 1965 Exemplare?
Die Zahl zitiert das Aufnahmejahr. Betroffen ist die Pressung mit dem alternativen Cover, erhältlich über Record-Store-Day-Läden und HMV. Daneben gibt es ein limitiertes rotes Vinyl exklusiv im offiziellen Bowie-Store.
Spielt Jimmy Page wirklich mit?
Ja, als Sessiongitarrist bei den Aufnahmen der Manish Boys. 1965 war er einer der gefragtesten Studiomusiker Londons, Led Zeppelin lag noch drei Jahre in der Zukunft. Nicky Hopkins, später bei den Stones und den Beatles, saß bei den Lower-Third-Sessions am Piano.
Klingt das schon nach dem Bowie von später?
Bis „Hunky Dory“ vergehen ab diesen Sessions sechs Jahre. Der Name David Bowie entsteht erst Ende September 1965. Was du hörst, ist ein Achtzehnjähriger im R&B-Betrieb seiner Zeit, dem die Hits noch fehlten.

 

Bildquelle: Titelbild KI-generiert (Juli 2026)

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