14 Aug. Tiësto bei RA: Trance ohne Comeback-Pose
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Auf Silverworks Island in London lief Tiësto unter Trance-Fahne. Im RA Exchange EX.808 erklärt er Chloe Lula danach, warum er trotzdem zu seinem Satz von 2018 steht: Die Magie von damals lässt sich nicht nachbauen.
Silverworks will den Trance-Nachmittag
Wer Tiësto 2026 bucht, bucht eine Maschine. Residencies in Ibiza und Las Vegas, Festival-Slots, ein Name der auch aus Bars kommt, wenn du ihn nie auf die Playlist gesetzt hast. RA schreibt das in der Folgenankündigung ohne Schaum: seit den Neunzigern gehört er zum engen Kreis, der die großen Rechnungen schreibt.
Am 12. Juli stand diese Maschine in London am Royal Victoria Dock. Silverworks Island kündigte den Nachmittag als Trance-Set an, mit Massano, Pegassi, swim und Millie Cotton im Line-up. Lula war in der Nacht danach noch unter dem Eindruck. Sie hatte Trance-Elemente gehört, vermischt mit neuerem Material. Dann stellte sie die Frage, die jeder Purist stellen würde: Wenn schon zurück, warum dann nicht ganz?
Tiësto winkt ab. Ein Set nur aus alten Tracks langweilt ihn nach zwei Stunden. Er will Klassiker antippen und gleichzeitig etwas bauen, das sich nach 2026 anhört. Die Sonne ging unter, er warf ungeplant den Karen-Overton-Track aus der In-Search-of-Sunrise-Reihe rein und den Tiësto-Remix von Paul Oakenfolds Southern Sun. Geplant war das nicht. Er kennt die ersten zwei Tracks, danach fliegt er.
Für ihn fühlt sich das wie eine neue Art zu legen an. Lange hat er so nicht aufgelegt. Die neue niederländische Welle hilft: Trance, die schneller läuft, grooviger, um die 140 BPM. Im Gespräch fallen Namen wie Kiki. Er nennt das einen Kreis, der sich schließt. Junge Acts aus den Niederlanden schieben den Sound wieder nach vorn. Er steht mittendrin, mit den Wurzeln im Gepäck und ohne Kostüm von 2002.
Die Absage von 2018 bleibt im Raum
Lula spielt ihm den Satz vor, den er 2018 Zach Sang gegeben hat. Trance sei ein Trend gewesen. Er gehe nie zurück. Er habe dort schon gemacht, was er wollte. Der neue Tiësto gefalle ihm besser. Die Magie von damals solle Magie bleiben.
Im Studio 2026 sagt er: Daran hält er fest. Du kannst das Comeback nennen. Er will Trance als Material, das ihn heute antreibt. Die Gefühle mit 22, erster Club, erster Lieblingstrack, die kommen nicht zurück. Zwanzig Jahre später hörst du denselben Track und erinnerst dich an eine Person oder eine Phase. Das ist der Reiz. Nachbauen will er das nicht.
Als Lula den Hut nach hinten dreht und darin einen Ausflug in die Jugend liest, korrigiert er trocken: Es war windig. Er wollte sich konzentrieren. Poesie war das nicht. Die Kinder waren bei der Show.
Sechs Stunden Sven Väth in Belgien
Der DACH-Faden sitzt in dieser Folge tiefer als jedes Ibiza-Poster. Tiësto erzählt, wie er Sven Väth im belgischen Cherry Moon gesehen hat, sechs Stunden am Stück. Er arbeitete damals im Plattenladen und kannte seine Regale. Väth spielte Stücke, die er noch nie gehört hatte. Danach war Trance gesetzt. Väth war die größte Inspiration.
Für deutsche und niederländische Clubnächte ist das keine Fußnote. Väth steht für Frankfurt, Omen, eine Linie, die hierzulande immer noch entscheidet, wer glaubwürdig klingt. Dass genau dieser Abend den späteren Mainstage-Act in die Trance gedrückt hat, macht die heutige Debatte schärfer. Wer in Berlin oder Frankfurt über Sell-out spricht, spricht oft über denselben Mann, der sich von einem sechsstündigen Set hat umwerfen lassen.
RA packt in die Folgennotiz die Jahre davor: Clubtoiletten geputzt, Platten an Jeff Mills verkauft, Gabber unter dem Alias The Joker. Im Gespräch bestätigt Tiësto den Joker und die Gabber-Phase. Er produzierte im Schlafzimmer, half anderen DJs an ihren Sound und legte den letzten Track der Nacht oft als Gabber. Das war Spaß und Werkstatt, lange vor den gebrandeten Decks.
Logo auf den Decks, Shirt in der Crowd
Lula beschreibt die Bühne von Silverworks wie eine Produktwelt: CDJs, Mixer, Kopfhörer mit Tiësto-Schriftzug, Shirts im Publikum. Sie fragt nach dem Moment, in dem aus dem DJ eine Marke wurde, zu einer Zeit als das noch wenige taten.
Er denkt nicht lange darüber nach. Er sei eine Marke, klar. Coca-Cola oder Apple ist das für ihn nicht. Die Tiësto-Marke soll eine Erfahrung sein: Du kommst zur Show, die Musik soll sich groß anfühlen, du gehst mit einem guten Gefühl. Kleine Dinge wie Sticker auf den Playern kommen aus dem Bauch. Den Rest rahmt er als Show.
Genau hier trennt sich die RA-Folge von einer Fanpage. Die Folge verkauft das nicht als Comeback-Gänsehaut. Lula fragt, was ein Leben an der Spitze kostet. Tiësto antwortet so, dass die Maschine sichtbar bleibt. Er nennt sie Erfahrung.
Puristen bleiben beim alten Tiësto
Puristen sind für ihn hartes Publikum. Sie haben ein Bild. Änderst du es, bist du weg. Loyalität ist das nicht. Trance bleibst du Trance, alles andere gilt als Ausverkauf. Er ist stolz auf die letzten fünfzehn Jahre und akzeptiert, dass diese Gruppe das nie unterschreibt.
Warum dann RA, Hausblatt derer die genau diese Linie ziehen? Weil er sich in dieser Welt verortet. Er sagt, er sei mehr als das Bild, das Leute von ihm haben. Purist auf seine Art: Er legt auf, weil er Musik will. Das klingt nach Selbstverteidigung und nach einer Einladung. Die Berliner Hostin nimmt beides mit.
Warum das Gespräch hier zählt: Das größte Trance-Gesicht der Nullerjahre sitzt bei RA, nennt Sven Väth als Zündung und lässt die gebrandeten Decks sichtbar. Die deutsche Debatte über Größe und Glaubwürdigkeit bekommt damit neuen Ton. Den Streit beendet das nicht.
Q&A nach der Show
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Hat Tiësto wirklich gesagt, er gehe nie zum Trance zurück?
War Silverworks ein reines Throwback-Set?
Was hat Sven Väth mit dieser Folge zu tun?
Wo höre ich EX.808?
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Bildquelle: KI-generiert (August 2026)
