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Acapella auf Knopfdruck: Was Stems im DJ-Set kosten

▶ 6:12 Lesezeit

rekordbox, Serato, Traktor und djay zerlegen jeden Track per KI in Vocals, Drums, Bass und den Rest. Die Programme rechnen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und verlangen teils kräftige Prozessoren. Bei Titeln von Apple Music und Spotify bleibt die Trennung in rekordbox und djay gesperrt, Algoriddim nennt dafür die Lizenzbedingungen der Dienste.

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  • ▸ rekordbox, Serato und djay trennen Tracks live, Traktor erzeugt die Stems vorab als eigene Datei. Der Unterschied entscheidet, wann dein Rechner die Arbeit erledigt.
  • ▸ rekordbox empfiehlt für Stems auf vier Decks unter Windows einen Ryzen 7 der 7000er-Serie. Auf dem Mac nennt der Hersteller Apple M1 oder neuer.
  • ▸ Native Instruments nennt für die Stem-Trennung ein bis zwei Drittel der Spielzeit eines Tracks. Die fertigen Stems liegen danach als .stem.mp4 mit vier Spuren in der Library.
  • ▸ rekordbox und djay sperren die Stem-Trennung für Titel von Apple Music und Spotify. Algoriddim begründet das mit den Lizenzbedingungen der Streamingdienste.

Wann deine Software die Spuren trennt

Vier Spuren aus einer Stereodatei: Vocals, Drums, Bass und der Rest, den die Hersteller Melody, Instrumental oder Other nennen. Diese Trennung bieten 2026 alle großen DJ-Programme an, sie rechnen aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Serato beschreibt seine Stems als Trennung in Echtzeit, jeder Stem liegt auf einem eigenen Pad. Algoriddim nennt Neural Mix in djay ebenfalls eine Echtzeit-Trennung per KI.

rekordbox bietet seit Version 7.2.8 vom Dezember 2025 die Wahl zwischen drei Stems (Vocal, Instrumental, Drums) und vier Stems mit eigenem Bass. Wer den Bass einzeln greifen kann, legt die Bassline des nächsten Tracks unter die Drums des laufenden, ohne dass sich zwei Basslinien reiben. Für Übergänge, die über die Bassline laufen, ist das der praktischste Teil der Neuerung.

Traktor Pro 4 geht einen anderen Weg. Native Instruments lässt dich über den Befehl Generate Stems in der Track Collection eine eigene Datei erzeugen, eine .stem.mp4 mit vier Audiospuren für Drums, Bass, Other und Vocals. Die Erzeugung lässt sich laut Hersteller auch starten, während der Track schon läuft. Gespielt wird danach die fertige Datei, deshalb muss der Rechner im Set nichts mehr trennen.

VirtualDJ trennt laut Hersteller seit 2020 in Echtzeit und arbeitet seit 2023 mit der Engine Stems 2.0. Damit stehen sich zwei Prinzipien gegenüber. Die Echtzeit-Programme rechnen während des Sets, Traktor rechnet vorher.

Was die Trennung den Rechner kostet

Echtzeit kostet Rechenleistung. Die Hersteller schreiben das offen in ihre Systemanforderungen. rekordbox empfiehlt in seiner FAQ für Stems auf zwei Decks unter Windows einen Intel Core i7 ab der 13. Generation oder einen AMD Ryzen 7 der 5000er-Serie, auf dem Mac ein Intel-Modell ab 2019 oder Apple M1. Für vier Decks steigt die Empfehlung unter Windows auf einen Core i9 ab der 9. Generation oder einen Ryzen 7 der 7000er-Serie.

Selbst damit gibt der Hersteller keine Garantie, dass jeder passende Rechner stabil läuft. Die Option Prioritize sound quality verbessert laut FAQ den Klang der Stems, kann rekordbox aber verlangsamen. Bei Rauschen rät die FAQ, andere Programme zu schließen und Video, Lyric und MERGE FX abzuschalten.

Für Serato veröffentlicht der Hardware-Partner Rane eine empfohlene Ausstattung: unter Windows einen Intel i5 der 6. Generation oder AMD Ryzen 5 3000 mit dem Befehlssatz AVX, dazu 8 GB RAM. Für Power-User nennt Rane 16 GB RAM und deutlich stärkere Prozessoren. Rechner unterhalb dieser Werte können laut Rane auf vorbereitete Stems ausweichen oder den Puffer vergrößern.

Algoriddim staffelt die Qualität nach Gerät. Apple-Silicon-Macs und ARM-basierte Windows-Rechner trennen mit voller Qualität, Intel-Macs und die meisten modernen Windows-PCs mit 80 Prozent, ältere Systeme mit 70 Prozent. djay wählt die höchste mögliche Stufe automatisch, ablesen lässt sie sich in den erweiterten Einstellungen.

VirtualDJ wirbt mit Tempo. Auf einem Gaming-Laptop mit Nvidia RTX trenne die Engine 30-mal so schnell wie die Spielzeit, auf einem M1-Mac 20-mal so schnell. Ein Fast-Modus mit reduzierter Qualität soll ältere Hardware bedienen.

Traktor verschiebt die Last in die Vorbereitung. Native Instruments beziffert die Dauer im Handbuch von Traktor Play auf ein bis zwei Drittel der Spielzeit, je nach Prozessor. Ein sechsminütiger Track kann also bis zu vier Minuten brauchen, bevor seine Stems bereitstehen. Im Set kostet die fertige Datei dafür keine Trennleistung mehr.

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So viel der Spielzeit eines Tracks braucht die Stem-Trennung laut Native Instruments, je nach Prozessor.
Native Instruments, Handbuch Traktor Play

Warum Puffer und Latenz über den Cut entscheiden

Beim Auflegen zählt neben der CPU der Puffer der Soundkarte. rekordbox erklärt in seiner FAQ zu Stems, dass ein kleiner Puffer die Latenz senkt, bei Aussetzern aber vergrößert werden muss. Empfohlen wird der kleinste Wert, bei dem keine Aussetzer entstehen. Mehr Puffer bedeutet mehr Verzögerung zwischen deinem Griff an den Regler und dem Klang aus der Box, deshalb fällt sie bei schnellen Cuts stärker ins Gewicht als bei langen Blenden.

Serato weist in seinem Support darauf hin, dass Stems direkt nach dem Laden eines Tracks kurz verzögert greifen können, bis die Trennung hörbar wird. Stems, die vorher in der Library vorbereitet wurden, umgehen diese Wartezeit. Für ein Set mit vielen schnellen Wechseln ist die Vorbereitung damit auch bei den Echtzeit-Programmen ein Faktor.

Im Club zeigt sich die Qualität der Trennung in einem einzigen Moment. Du nimmst die Drums raus und die Vocal klingt allein durch die Halle, nur mit dem Nachhall des Raums. Ist die Trennung sauber, bleibt nur die Stimme. Ist sie es nicht, zischeln Reste der Hi-Hats mit, die vorher im vollen Mix untergegangen sind.

Warum Spotify-Tracks keine Stems bekommen

Die Software trennt nur, was sie darf. rekordbox schreibt in seiner FAQ, dass die STEMS-Funktion bei Titeln von Apple Music und Spotify nicht nutzbar ist, obwohl sich Spotify-Tracks seit Version 7.2.16 in rekordbox-Playlists legen lassen.

Algoriddim nennt den Grund ausdrücklich. Die Rechteinhaber aktualisieren die Nutzungsbedingungen der Streamingdienste regelmäßig, djay muss sich als Drittanbieter daran halten. Deshalb gibt es Neural Mix derzeit nicht für Apple Music und Spotify, mit TIDAL, SoundCloud und Beatport funktioniert die Trennung. Deinen Mix mitschneiden kannst du in djay bei keinem Streamingdienst.

Traktor zieht die Grenze über den Besitz. In seinem Blog schreibt Native Instruments, dass du Stem-Dateien aus Tracks erzeugen kannst, die dir gehören. Für Stems sind gekaufte Dateien deshalb die verlässlichste Quelle, weil dort keine Streaming-Lizenz die Trennung sperrt.

Was das Urheberrecht zu deinen Edits sagt

Im Club meldet in Deutschland in der Regel der Veranstalter die öffentliche Wiedergabe bei der GEMA an. Der DJ lizenziert über den Tarif VR-Ö die Kopien, die er für seine Arbeit anlegt. Laut GEMA kommt es dabei auf das Kopieren der Dateien an, eine Umwandlung in ein anderes Format kostet nichts. Ob eine erzeugte .stem.mp4 als Kopie oder als Formatwandlung zählt, beantwortet die GEMA-Seite zum DJ-Tarif nicht.

Anders liegt der Fall, sobald ein Edit das Pult verlässt. Paragraf 23 des Urheberrechtsgesetzes erlaubt, Bearbeitungen eines Werkes, ausdrücklich auch einer Melodie, nur mit Zustimmung des Urhebers zu veröffentlichen oder zu verwerten. Ein Acapella-Edit, der auf deiner Festplatte bleibt, braucht nach diesem Wortlaut keine Zustimmung. Wer ihn auf SoundCloud hochlädt, veröffentlicht ihn.

Offen bleibt, wie die Streamingdienste ihre Lizenzen weiterentwickeln. Algoriddim formuliert die Sperre für Apple Music und Spotify mit dem Wort derzeit, rekordbox nennt keinen Zeitraum. Bis sich daran etwas ändert, entscheidet die Herkunft deiner Tracks darüber, ob du sie im Set zerlegen kannst.

Q&A nach der Show

Klick auf eine Frage, um die Antwort aufzuklappen.

Brauche ich für Stems einen neuen Laptop?
Das hängt von Programm und Anzahl der Decks ab. rekordbox empfiehlt für zwei Decks unter Windows mindestens einen Core i7 ab der 13. Generation oder einen Ryzen 7 der 5000er-Serie, auf dem Mac genügt Apple M1. Traktor erzeugt die Stems vorab als Datei und belastet den Rechner im Set deshalb weniger.
Kann ich Spotify-Tracks im DJ-Set in Stems zerlegen?
In rekordbox und djay nicht, beide Hersteller sperren die Trennung für Titel von Apple Music und Spotify. Algoriddim nennt als Grund die Lizenzbedingungen der Dienste. Mit TIDAL, SoundCloud und Beatport funktioniert Neural Mix in djay.
Darf ich einen Edit aus Stems veröffentlichen?
Nach Paragraf 23 des Urheberrechtsgesetzes brauchst du für die Veröffentlichung einer Bearbeitung die Zustimmung des Urhebers. Das Erstellen für den eigenen Gebrauch ist bei Musik nicht zustimmungspflichtig. Bei konkreten Projekten hilft eine Rechtsberatung oder die Anfrage beim Label.

Bildquelle: Pexels / Benjamin Lehman (px:14536014)



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