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Volle Floors, rote Zahlen: Berlins Clubs warten auf Politik

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Neun Tage lang hat die Berliner Clubszene im Oktober beim Tag der Clubkultur gefeiert, mit 410.000 Euro Preisgeld für Clubs und Kollektive. Zwei Monate vorher hatte dieselbe Clubcommission eine Studie vorgelegt, nach der 39 Prozent der befragten Betriebe 2025 mit Verlust abgeschlossen haben. Ob daraus eine feste Förderung wird, hängt jetzt von den Koalitionsverhandlungen nach der Berlin-Wahl ab.

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  • ▸ Die Clubcommission verteilte beim Tag der Clubkultur 410.000 Euro an Clubs und Kollektive. Zwei Jurys sichteten 268 Bewerbungen, etwa jede achte hatte Erfolg.
  • ▸ Laut Clubstudie schlossen 39 Prozent der befragten Berliner Betriebe das Jahr 2025 mit Verlust ab. 2017 lag dieser Anteil noch bei 21 Prozent.
  • ▸ Der Eintritt bringt den Clubs heute 59 Prozent ihrer Umsätze, weil an der Bar weniger läuft. 2017 kamen rund 60 Prozent aus Gastronomie und Getränken.
  • ▸ Linke, Grüne und SPD wollen ab Anfang November über eine Koalition verhandeln. Vor der Wahl kündigten alle drei Parteien eine eigene Förderung für Clubs an.

Warum der Tag der Clubkultur unter Druck feiert

STAY CORE stand über der Festivalwoche vom 3. bis 11. Oktober. Die Clubcommission Berlin, der Verband der Berliner Clubs und Veranstalter, übersetzt das Motto auf ihrer Programmseite in drei Begriffe: Bleiben, Fürsorge, Widerstand. Rund 130 Veranstaltungen von mehr als 110 Clubs, Kollektiven und Initiativen standen im Programm, von Clubnächten über Open-Airs bis zu Stadtführungen und Radio-Takeovers. Gefördert wird das Format von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, umgesetzt mit dem Musicboard Berlin.

Projektleiterin Katharin Ahrend beschrieb die Lage laut dem Berliner Szenemagazin Loop Rituals als Arbeit unter erheblichem Druck, mit schrumpfenden Räumen, politischem Rechtsruck und Rezession. Ihre Antwort war das Programm selbst, überwiegend selbstorganisiert und nicht-kommerziell. Das Motto bezieht sich damit auf eine Lage, die die Clubcommission zwei Monate vorher in Zahlen beschrieben hatte. Wer in der Festivalwoche unterwegs war, hat also genau die Orte gesehen, um deren Zukunft es in der Studie geht.

Bis zum 9. November läuft außerdem die Ausstellung Dancefloors after 1989 der Clubcommission, die sich mit Clubkultur nach der Wende beschäftigt. Wer die Woche verpasst hat, kann dort noch nachvollziehen, aus welchen Räumen die Berliner Szene entstanden ist.

Was die Studie über volle Floors und leere Kassen misst

Am 7. August stellten Clubcommission und Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe an Bord der Hoppetosse die Studie Clubkultur Berlin 2026 vor, die erste umfassende Erhebung seit 2019. Das Institut Goldmedia befragte zwischen dem 19. März und dem 24. April Clubs, Kollektive, Musikbars und Off-Spaces, 102 Fragebögen kamen vollständig zurück. Die Zahlen beschreiben deshalb eine Stichprobe der Szene. Kommerzielle Diskotheken und reine Eventlocations hat die Studie ausgeschlossen.

Der Kernbefund steht im Titel, den das Musikmagazin Groove zitiert: Volle Clubs, leere Kassen. 39 Prozent der befragten Betriebe schlossen 2025 mit Verlust ab, 2017 waren es 21 Prozent. Kostendeckend arbeiten nur noch gut sechs von zehn Betrieben, obwohl das Publikum weiter kommt.

Wirtschaftsstaatssekretär Michael Biel sagte bei der Vorstellung: „Die Nachfrage ist hoch, die Tanzflächen sind voll“. Laut Studie melden 83 Prozent der Betriebe, dass ihre Veranstaltungen mindestens zur Hälfte ausgelastet sind. Dass trotzdem Geld fehlt, liegt an der Kostenseite. 64 Prozent nennen Personalkosten als Belastung, dazu kommen Betriebskosten, Miete und Pacht.

Dazu kommt die Raumfrage. Nur 8 Prozent der Betriebe besitzen ihre Spielstätte, 31 Prozent haben Miet- oder Pachtverträge mit weniger als fünf Jahren Laufzeit. Kai Sachse aus der Geschäftsführung der Clubcommission sagt deshalb, die Zukunft der Clubs entscheide sich „weniger auf dem Dancefloor als bei Fragen von Raum, Finanzierung und Planungssicherheit“.

Auf dem Floor ist von dieser Rechnung nichts zu hören. Die Kickdrum drückt in den Brustkorb, der Nebel hängt im Strobo. Um vier Uhr morgens ist der Raum noch voll. Die Studie zählt solche Nächte als gut besucht. Das Problem entsteht danach, wenn Löhne, Strom und Miete fällig werden und die Einnahmen anders zusammenkommen als früher.

39 %
So viele der befragten Berliner Clubs und Veranstalter schlossen das Jahr 2025 mit Verlust ab, 2017 waren es 21 Prozent.
Clubcommission Berlin, Studie Clubkultur Berlin 2026

Warum die Bar die Nächte nicht mehr bezahlt

Der größte Umbau betrifft die Frage, womit ein Club sein Geld verdient. 2017 kamen laut Studie rund 60 Prozent der Umsätze aus Gastronomie und Getränken. Heute hat der Eintritt diese Rolle übernommen und bringt 59 Prozent. Damit hängt die Rechnung jeder Nacht vom Ticketpreis ab.

Ein Grund steht auf der Getränkekarte. 73 Prozent der Betriebe beobachten, dass ihre Gäste weniger Alkohol trinken, 57 Prozent melden kürzere Aufenthalte. Wer früher geht und Wasser bestellt, lässt weniger Geld an der Bar. Die Clubs reagieren mit höheren Preisen.

67 Prozent der Betriebe haben die Getränkepreise erhöht, viele auch den Eintritt. Das hat eine Grenze, die die Clubs selbst benennen: 92 Prozent stimmen zu, dass Eintrittspreise bestimmte Gruppen ausschließen. Für alle mit kleinem Budget wird die Clubnacht damit zur Rechenfrage.

Wer beim Kulturpreis das Geld bekommt

Den Kulturpreis vergibt die Clubcommission seit 2020, in diesem Jahr mit zusammen 410.000 Euro. Laut Loop Rituals sichteten zwei unabhängige Jurys 268 Bewerbungen, etwa jede achte war erfolgreich. In der Club-Jury saßen Aida Baghernejad, Daniel Wang und Electric Indigo.

Ein Club erhält laut Ausschreibung 20.000 Euro, ein Kollektiv 10.000 Euro. Bei den Clubs gingen Preise unter anderem an LARK, Sameheads, Schokoladen, Panke, Heideglühen und Urban Spree, Newcomer-Club wurde Pastiche. Unter den ausgezeichneten Kollektiven stehen African Acid Is The Future, Femme Bass Mafia, Refuge Worldwide und das CTM Festival.

Fast die Hälfte der befragten Betriebe setzt laut Studie weniger als 100.000 Euro im Jahr um. Für sie entspricht ein Club-Preis mindestens einem Fünftel des Jahresumsatzes. Öffentliche Mittel machen laut Studie nur 2 Prozent der Umsätze aus. Ein Preis hilft einmal, die laufenden Kosten kommen dagegen jeden Monat.

Was Linke, Grüne und SPD für Clubs versprochen haben

Bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September wurde die Linke nach vorläufigem Ergebnis mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Am 17. Oktober beendeten Linke, Grüne und SPD ihre Sondierungen mit einem gemeinsamen Papier, berichtet ZDFheute. In dieser Berichterstattung kommen Clubs nicht vor. Koalitionsverhandlungen könnten Anfang November beginnen, sofern die Gremien aller drei Parteien zustimmen.

Vor der Wahl hatten alle drei Parteien laut Musikexpress Pläne für Clubs. Linke und SPD wollen erstmals eine Spielstättenförderung auf Landesebene, die Grünen eine eigene Förderstruktur für Clubs mit kuratiertem Programm und einen Notfallfonds für bedrohte Kulturorte. Die Linke will zudem den Tag der Clubkultur erhalten und den Schallschutzfonds ausbauen.

Die Clubcommission fordert in ihrer Studie dasselbe Feld: eine langfristige Förderstruktur, die Öffnung landeseigener Immobilien für Clubkultur und die rechtliche Anerkennung von Clubs als Kulturstätten. Geprüft werden soll außerdem ein Club-Euro, also eine Förderung von einem Euro pro Gast. Diese Anerkennung verlangt die Clubcommission auf Landes- und Bundesebene, weil sie Folgen für Baurecht, Lärmschutz und Förderung hätte.

Die Festivalwoche ist vorbei, die Stichprobe bleibt. 23 Prozent der befragten Betriebe erwägen, in den nächsten zwölf Monaten aufzugeben. Ob aus den Wahlversprechen eine feste Spielstättenförderung wird, entscheiden Linke, Grüne und SPD in ihren Verhandlungen. Bis dahin finanziert sich die Szene weiter über den Eintritt, den du an der Tür bezahlst.

Q&A nach der Show

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Was ist der Tag der Clubkultur?
Der Tag der Clubkultur ist eine Festivalwoche mit Kulturpreis, die die Clubcommission Berlin seit 2020 ausrichtet. Die siebte Ausgabe lief vom 3. bis 11. Oktober 2026 unter dem Motto STAY CORE. Gefördert wird sie von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, umgesetzt mit dem Musicboard Berlin.
Wie viele Berliner Clubs machen Verlust?
Laut der Studie Clubkultur Berlin 2026 schlossen 39 Prozent der befragten Betriebe das Jahr 2025 mit Verlust ab. 2017 waren es 21 Prozent. Die Zahl beruht auf 102 vollständig ausgefüllten Fragebögen, sie beschreibt also eine Stichprobe der Szene.
Was ist der Club-Euro?
Der Club-Euro ist ein Fördermodell mit einem Euro pro Gast, das die Clubcommission in ihrer Studie zur Prüfung empfiehlt. Beschlossen ist dazu nichts. Ob Berlin ein solches Modell oder eine Spielstättenförderung einführt, entscheidet die nächste Landesregierung.

Bildquelle: Pexels / Maor Attias (px:5192503)



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