20 Okt. Mutable Instruments: Beads darf jetzt jeder nachbauen
▶ 3:53 Lesezeit
In der Nacht auf den 12. Oktober 2026 hat Emilie Gillet Code und Schaltpläne von Beads auf GitHub gestellt, nachdem das letzte Modul von Mutable Instruments jahrelang verschlossen geblieben war. Jetzt darf jeder das Modul nachbauen und weiterentwickeln, die Marke bleibt bei Gillet.
Ein Commit kurz nach eins
Der Eintrag im Repository pichenettes/eurorack trägt den knappen Titel Beads code/sch. Gesetzt wurde er am späten Abend des 11. Oktober Weltzeit, in Deutschland war es da schon kurz nach eins. Wenige Stunden später folgte ein Update der Readme-Datei. Laut CDM meldete Synth Anatomy den Fund zuerst, CDM-Autor Peter Kirn spricht von einer stillen Aktualisierung.
Die Stille passt zur Geschichte des Moduls. Im April 2022 schrieb Gillet im Mutable-Forum, sie werde keine neuen Module mehr entwerfen und die Produktion laufe schrittweise aus, berichtete Gearnews. Beads war da schon als letztes Design gesetzt. Andere Module der Firma lagen längst offen auf GitHub, Beads blieb verschlossen. Warum, steht nirgends im Repository.
Was Beads im Rack macht
Die offizielle Dokumentation nennt Beads einen Textur-Synthesizer, 14 TE breit. Das Modul nimmt Audio auf, zerlegt es in kurze Körner (sogenannte Grains) und setzt sie neu zusammen. Ein eigener Regler mischt Hall dazu. Ein Delay-Modus wiederholt das Material, das Tempo lässt sich per Tap vorgeben.
Den Charakter bestimmen die Qualitätsstufen. Eine emuliert den Klang des Vorgängers Clouds, die gröbste klingt nach Kassette. Die feinste Stufe hält 4 Sekunden in Stereo, die Kassettenstufe 32 Sekunden in Mono.
Sind beide Audioeingänge unbeschaltet, arbeitet Beads nach zehn Sekunden als Oszillator und körnt interne Wavetables. Für Producer heißt das: Aus einem kurzen Vocal-Schnipsel wird eine stehende Fläche, aus einem Drum-Loop ein flirrender Teppich hinter dem Beat. Genau dieser Moment, in dem ein Sample seine Herkunft verliert und zu Raum wird, macht Granular-Module für Ambient- und Techno-Producer reizvoll. Mehr zur Rolle von Modularsystemen in der Szene steht in unserem Blick auf Techno zwischen Modular, KI und Stream.
Was die Lizenz erlaubt
Laut Readme steht der Code für die STM32-Projekte unter MIT-Lizenz, Schaltpläne und Platinen unter Creative Commons BY-SA 3.0. Entwickler dürfen den Code also in eigene Projekte übernehmen. Wer die lizenzierten Hardware-Pläne bearbeitet und weitergibt, muss die Bearbeitung unter derselben oder einer kompatiblen Lizenz teilen. Kirn fasst die Grenze in einem Satz: Open-Source-Hardware sei nicht gemeinfrei.
Die Readme zieht eine zweite Linie. Mutable Instruments ist eine eingetragene Marke, Ableger dürfen den Namen nicht tragen. Auch den Namen des Moduls empfiehlt Gillet nicht zu übernehmen. Als Beispiel nennt sie eine 5U-Fassung von Clouds, die unter einem eigenen Herstellernamen läuft.
Für Producer ohne Lötkolben ist eine Fußnote der wichtigste Satz. Der Code baut auf einer Desktop-Plattform, eine Prüfung am echten Modul blieb aus. Die Installation geschieht auf eigenes Risiko. Damit liegt der Weg zu Software-Versionen offen. Eine Fassung für VCV Rack im Audible-Instruments-Paket gibt es laut CDM bislang nicht.
Wer vom offenen Code profitiert
Synth Anatomy erwartet, dass Klon-Hersteller schnell reagieren. Wie Nachbauten und kleine Boutique-Schmieden den Synth-Markt verschieben, ist ein eigenes Thema, unser Überblick dazu steht unter Synth-Boom: Klone und Boutique-Schmieden. Bei Beads kommt hinzu, dass ein Nachbau jetzt auf dem Original-Code aufsetzen darf, solange er die Lizenz mitliefert.
Für Besitzer eines Originals verschiebt sich die Firmware-Frage. Alternative Firmwares gab es laut Synth Anatomy schon vorher. Jetzt können Entwickler direkt an der Quelle arbeiten, statt das Verhalten des Moduls von außen nachzubilden. Die Fachseite wünscht sich eine Sammelstelle für solche Varianten, wie es sie für Plaits schon gibt.
Was beim Nachbau fehlt, ist der Name auf dem Panel. Ein Ableger darf alles übernehmen, was Beads klingen lässt. Logo und Markenname bleiben bei Gillet.
- du lötest und im Eurorack noch 14 TE frei hast
- du eigene Plugins oder Firmware schreibst
- du auf eine Software-Version von Beads wartest
- du ein fertiges Modul mit Garantie suchst
- dir ungetestete Firmware auf deiner Hardware zu riskant ist
Q&A nach der Show
Klick auf eine Frage um die Antwort aufzuklappen.
Wo liegt der Code von Beads?
Darf ein Nachbau Beads heißen?
Läuft der freigegebene Code auf einem echten Modul?
Synth-Boom: Wie Klone und Boutique-Schmieden den Markt drehen →
Techno 2026: Modular, KI, Stream im Vergleich →
Field Recording für Producer: Wie du aus Alltagsgeräuschen eigene Sounds baust →
deadmau5 schickt AUTO/PILOT in die Public Beta →
Bildquelle: KI-generiert (Oktober 2026)
